40 Jahre SLV NRW

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Die Geschichte der SLV NRW von 1984 bis 2024

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Inhalt


Die Schulleitungsvereinigung Nordrhein-Westfalen wurde am 8. März 1984 in Bielefeld-Sennestadt gegründet.

Gründung der SLV NRW

Die Gründung erfolgte dank der Initiative des Hauptschulrektors Friedrich-Wilhelm Nagel. Als Leiter der Bielefelder Rektorenkonferenz waren ihm die stetig gestiegenen Anforderungen und die Nöte der Schulleitungen bestens vertraut. Lehrerverbände hatten damals zwar Arbeitsgruppen oder Referate für die unterschiedlichen Schulformen, auch für Hochschullehrer, ja auch für Schulräte, aber nicht für Schulleiterinnen und Schulleiter. Letztere wurden gemäß geltender Gesetzeslage, einschlägigem Verständnis in Gesellschaft und Politik auch dort als Lehrer mit besonderen Aufgaben und als primus inter pares gesehen.

Beginn der SLV NRW in Bielefeld Sennestadt
Beginn der SLV NRW in Bielefeld Sennestadt

Neues Grundverständnis vom Berufsbild Schulleitung

Dieses Grundverständnis wurde aber durch die radikalen Reformen der 60er- und 70er-Jahre (Auflösung der Volksschuloberstufe, Gründung von Grund- und Hauptschule, Reform der gymnasialen Oberstufe, konsequente Akademisierung der Lehrerausausbildung, etc.) erheblich infrage gestellt. Die Schulleitungen sahen sich immer mehr mit Management- und Führungsaufgaben konfrontiert, wurden durch erhebliche Veränderungen in Lehrerausbildung und -zuweisung, mit Personalführungsaufgaben und der Umsetzung der strukturellen Veränderungen der Schullandschaft gefordert. Der Vorgesetztenstatus ähnlich dem Bürovorsteher wurde immer fließender hin zu dem Status des Dienstvorgesetzten. Zugleich wurden neben den pädagogischen Fähigkeiten auch profunde Managementleistungen immer wichtiger.


Keine Unterstützung in Politik und Öffentlichkeit für die immer deutlichere Belastung und die daraus resultierende notwendige Statusveränderung

Die Schulleiterinnen und Schulleiter empfanden sich damit weitgehend allein gelassen. Sie hatten keine hinreichende Ausbildung, konnten kaum Fortbildung erfahren, weil diese für Schulleitungen noch gar nicht (ernsthaft) konzipiert war. Eine informelle Umfrage in der Vorbereitungsphase vor Ort durch das Vorbereitungsteam um F.W. Nagel, aber auch Studien der Zeitschrift Schulmanagement des Westermann-Verlages mit ihrem leitenden Redakteur Burkhard Hitz an der Spitze bestätigten auch für NRW, was sich in anderen Bundesländern bereits durch die Gründung von Schulleitervereinigungen (Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Berlin) manifestiert hatte:

Die Schulleitungen fühlten sich nicht genügend für ihre ureigensten Interessen, die mit dem Amt der Schulleitung zusammenhängen, vertreten und repräsentiert.


Unterstützung durch die bestehenden Verbände und durch Burkhard Hitz

(Westermann-Verlag, später SL-Verlag)

Die genannten Schulleitervereinigungen konnten teilweise bereits auf eine zehnjährige Erfahrung zurückblicken. Auch ihre Untersuchungen und Mitgliederklagen bestätigten immer wieder, dass sich die Schulleitungen mit den neuen Herausforderungen allein gelassen fühlten, nach Unterstützung und kollegialem Erfahrungsaustausch suchten und vor allem auf profunde Fortbildung warteten. Der Wunsch der Schulleiterinnen und Schulleiter richtete sich deshalb auf Unterstützung in jeglicher Form (kollegialer Erfahrungsaustausch, Aus- und Fortbildung, rechtliche und organisatorische Unterstützung, Klärung und Stärkung ihres Status und ihrer Rolle).

Den Schulleitungen wurde immer deutlicher, dass es galt, Abhilfe zu schaffen, die durch eine eigenständige Interessenvertretung am besten artikuliert und mittels eigener Fortbildungsveranstaltungen realisiert werden konnte.


Zur Vorgeschichte der Gründung einer Vereinigung von Schulleiterinnen und Schulleitern

F.-W. Nagel hatte durch akribische Vorgespräche und werbende Vorarbeiten, vorwiegend in Ostwestfalen-Lippe, eine größere Gruppe Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulformen interessiert und einige auch zur Mitarbeit gewonnen. Im Laufe des Jahres 1983 konkretisierten sich die Bemühungen zu der Zielsetzung, ein für ganz Nordrhein-Westfalen wirkendes Organ zu schaffen, das insbesondere die Interessen der Schulleitungen vertreten sollte. Dabei war es auch von Anfang an Ziel, eine Vereinigung von Schulleiterinnen und Schulleitern aller Schulformen aufzubauen. Hatten doch schon die Planungsarbeiten und vielfältigen Gespräche und Gedankenaustausche recht schnell gezeigt:

Die Anforderungen und Aufgaben unterscheiden sich in den Schulformen viel weniger als vermutet; die Überlastung der Schulleitungen in allen Schulformen wegen unzureichender Arbeitsbedingungen ist überall spürbar; die Schulleitungen haben zu wenig Zeit für gestaltende Führungsaufgaben.

Zu den wesentlichen Unterstützern in der Gründungsphase gehörten die späteren Vorstandsmitglieder Rudi Doil, Jochen Hartmann, Heinrich Lindau, Dieter Meyer und Ernst Schulte.

Die Gründungsversammlung fand im Schulzentrum Süd in Sennestadt mit etwa 100 Teilnehmern statt. Zur Gründung der Schulleitervereinigung Nordrhein-Westfalen (SLV-NW) entschlossen sich dann spontan 72 anwesende Schulleiterinnen/Schulleiter oder stellvertretende Schulleiter/innen.


Gründungszweck und satzungsgemäße Aufgaben der SLV NRW

Als Zweck beschreibt die Satzung im § 2 ganz schlicht, dass die SLV NW die Interessen der Schulleitungen (also auch der stellvertretenden Schulleiterinnen und Schulleiter), die im Zusammenhang mit den dienstlichen Tätigkeiten stehen, wahrnehmen will.

Diese vereinsrechtlich übliche Zweckbestimmung eröffnete dem Vorstand alle Möglichkeiten aktiver Gestaltung und Initiativen. Die vorausgegangene Diskussion artikulierte aber den gemeinsamen Wunsch, dass die SLV NRW nicht in Konkurrenz zu bestehenden Lehrerverbänden oder Gewerkschaften treten wollte und sollte. Dieser Linie ist die SLV NRW stets konsequent treu geblieben.


Der schwierige Start – alle Aufgaben und Anforderungen überschlagen sich

Vorsitzender wurde Initiator Nagel, der sich mit dem Vorstand einer überschlagenden Fülle von Aufgaben gegenüber sah, die eigentlich alle sofort und vor allem ohne Startkapital erledigt werden mussten. Die notariellen und gerichtlichen Schreibarbeiten und Termine zur Anerkennung als eingetragener Verein standen ebenso auf der Agenda wie die erste Fortbildungsveranstaltung oder Werbung für die eigene Sache, um vor allem größer und finanziell beweglicher zu werden. Drucksachen mussten erstellt werden, Vorstellungstermine bei Regierungspräsidien, beim Kultusministerium, bei Rektorenkonferenzen mussten erwirkt, vorbereitet und wahrgenommen werden. Sie kosteten mehr Zeit und Einsatz als vorhergesehen. Selbstredend hatten die Vorständler der ersten Stunde teilweise erhebliche finanzielle Außenstände, weil die ersten Einnahmen die Erstattung der Auslagen (noch) nicht erlaubte. So wurden auch Teilnahmen am ersten Bundeskongress in Bad Krozingen und bei Veranstaltungen der Niedersächsischen Schulleitervereinigung noch nicht abgerechnet. Aber sie führten zu wichtigen Kontakten mit äußerst nützlichen Anregungen und Hilfestellungen, ohne die das zarte Pflänzchen SLV NW nicht so trotzig gewachsen wäre. Ein besonderes Verdienst für Beratung und Hilfestellung kommt dem Redakteur von Schulmanagement (Westermann-Verlag) Burkhard Hitz zu, der zu mehreren Gesprächsrunden auf eigene Kosten nach Bielefeld reiste. Durch die Verbindung von redaktionellen Interessen und Beratungskompetenz zur Stärkung der in den meisten Bundesländern im Entstehen begriffenen Schulleitervereinigungen erwarb sich Burkhard Hitz das Ansehen, das zur ständigen Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Schulleiterverbände Deutschlands (ASD) führte.

Der Vorstand wurde für 2 Jahre gewählt. Dank seiner Arbeit und der allseits erkannten Notwendigkeit einer eigenständigen Interessenvertretung konnte die SLV NW ihre Mitgliederzahl in der ersten Wahlperiode glatt verdreifachen.

Bei der angedeuteten Belastung und Verantwortung ist es wohl nicht verwunderlich, dass sich im Jahre 1986 nicht mehr alle Vorständler der ersten Stunde einer Wiederwahl stellten.


Konsolidierung in der zweiten Amtsperiode

Doch schon in der zweiten Wahlperiode (1986 – 1988) konsolidierte sich die SLV NW so gut, dass sie in den Verwaltungen und Behörden kompetente Gesprächspartner fand, an Profil gewann und auf der Ebene des ASD (Arbeitsgemeinschaft der Schulleiterverbände Deutschlands, heute Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschlands) kräftig mitarbeitete und Stellungnahmen und Grundsatzfragen mit konzipierte. Hatten im 1. Vorstand die Beisitzer den geschäftsführenden Vorstand mit Arbeiten von Fall zu Fall unterstützt, zeichnete sich im 2. Vorstand eine klare Kompetenznutzung und -zuteilung und damit eine bessere Arbeitsteilung im Vorstand ab, die sich bewährte. Mit Friedrich Mahlmann, dem späteren Vorsitzenden, gewann der Vorstand ein Mitglied mit großer Sprachkraft und eloquentem Moderationsgeschick, aber vor allem für ideenreiche Fortbildungsplanungen. Fritz Melchior brachte als Leiter einer Berufsschule hervorragende Kenntnisse für die Kassenführung mit, Dieter Meyer als Vertreter des Privatschulwesens und Joachim Jürgens als langjähriger Schulleiter einer Realschule mit viel Erfahrung im Umsetzen von adaptierten Kompetenzen und erworbenen Rechten brachten die notwendige Gelassenheit in den Vorstand, die viele Widerstände überwinden halfen. Zur Wahl 1990 trat dann ein selbstbewusster und vertrauensvoll zusammenarbeitender Vorstand nahezu komplett zur Wiederwahl an. Rücktritte sind eine normale Sache, wenn sie aus privaten oder beruflichen Gründen, wie zum Beispiel Pensionierung, geschehen (vgl. dazu: Worte zum Abschied: …). Aus Gründen der mangelnden Zusammenarbeit oder wegen Dissonanzen über die Vereinsarbeit oder -ziele hat es bisher nicht gegeben. Das ist bis heute so geblieben.


Die Zielsetzungen

einer schulformübergreifenden Schulleitervereinigung waren von Anfang klar:

Schule leiten ist nicht eine Zusatzaufgabe für Lehrer. Sie ist eine herausragende Funktion, die eigener Aus- und Fortbildung bedarf. Das Arbeitsfeld für und die Anforderungen an Schulleitung sind seit der Mitte der 70er Jahre erheblich im Fluss. Dies wird deutlich in Schriften des ASD, die alle auch unter wesentlicher Mitwirkung der SLV NW erstellt wurden.


Konsequente und kontinuierliche Mitarbeit in der ASD

In Bad Krozingen fand 1984 auf Einladung des Vorsitzenden des Hessischen Schulleiterverbandes Dr. Sigualla (†) das zweite Treffen der bestehenden Schulleiterverbände Deutschlands statt. Es war ein reines Vorsitzendentreffen. Weil Nagel nicht allein angereist war (und auch alle anderen Treffen von den Nordrhein-Westfalen aus Gründen der demokratischen und allgemeinen Sicherung gegen eventuelle Vorstandsveränderungen stets mit Begleiter anreisten), musste erst ein Weg für die Mitarbeit gefunden werden. Durch die Berichte über die unterschiedlichen Unterrichtsbelastungen in den verschiedenen Bundesländern (Lehrerwochenstunden und Unterrichtsentlastung) erkannten die Teilnehmer die Notwendigkeit, in kontinuierlicher Arbeit gemeinsame Interessen zu vertreten. Auch für die landeseigene Arbeit erwies sich die Kenntnis aus anderen Bundesländern rasch als sehr nützlich. In Bad Krozingen wurde die Arbeitsgemeinschaft der Schulleiterverbände Deutschlands aus der Taufe gehoben. Die Schulleitervertretungen entwickelten schnell eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und erarbeiteten viele Statistiken und Übersichten zu Unterrichtsbelastungen, Wochenstunden, Besoldung, Beförderung, etc. Der Kenntnis- und Erkenntnisfluss innerhalb der Länderverbände stärkte die Arbeit vor Ort.


Stärke durch Gemeinsamkeit

Zwei Beispiele:

Die Kultusminister standen damals im regen Austausch von allen wichtigen Informationen innerhalb der Ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK). Zu der Zeit schauten sie genau, wer bewegt sich wie. Nur in der Gesamtschulfrage gab es die Blöcke der zwei Farben. Erst als die SLV NRW durch Vergleiche die stets bestrittene Zulässigkeit und Machbarkeit der Abschaffung des diskriminierenden Titels Hauptlehrer bewies, konnte sie es auch in NRW erwirken (2000).

Ein besonders wichtiges und kontrovers diskutiertes Thema betrifft die Dienstvorgesetzteneigenschaft des Schulleiters/der Schulleiterin. Sie wird in einigen Bundesländern anerkannt, genutzt und weiterentwickelt, in anderen – so auch in Nordrhein-Westfalen – überträgt man einige Aufgaben und Kompetenzen (in zunehmender Form) auf die Schulleitungen, ohne die volle Dienstvorgesetzteneigenschaft zu übertragen. Hier Erfolge zu erzielen, gelingt nur in Kenntnis und mit Belegen, die aus dem kollegialen Austausch erwachsen.

Die ASD formulierte 1994 das Positionspapier Schulleitung in Deutschland (sogenannte Berliner Erklärung), wo sie erstmalig in Deutschland für die Bundesrepublik ein Berufsbild für Führungskräfte im Schulwesen vorlegte. Die weitere Entwicklung der politischen Bewertung Schulleiter als eigenständiger Beruf in einigen Bundesländern führte zu der ASD-Denkschrift Schulleitung in Deutschland – Ein Berufsbild in Entwicklung (Raabe-Verlag, 1999).

In den Folgejahren kam es in der öffentlichen Diskussion der diversen Bundesländer – nicht zuletzt auf Grund dieser Denkschrift - zu einer raschen und unterschiedlichen Veränderung der Einstellungen und Ansichten zu allen Fragen der Schulleitung, ihren Anforderungen, Herausforderungen, ihrer Bewertung und ihrem Status. Bereits im Jahre 2005 erforderte dies die völlige Neubearbeitung der Denkschrift. Sie wurde unter dem Titel Schulleitung in Deutschland 2005 – Ein Berufsbild in Weiterentwicklung (Raabe Verlag) der deutschen Öffentlichkeit vorgelegt und fand große Beachtung.

An allen diesen Schriften hat die SLV NRW wesentlich mitgewirkt und die Ansichten und Notwendigkeiten aus nordrhein-westfälischer Sicht eingebracht.


Internationale Erfahrungen und Einsichten einbeziehen

Seit Ende der 90er Jahre vertrat Dr. Burkhard Mielke konsequent und beharrlich die Ansicht, dass internationale Erfahrungen und Kenntnisse für die Weiterentwicklung der Interessenvertretung der nordrhein-westfälischen Schulleitungen und somit auch der deutschen wichtig und hilfreich seien. Dies geschah zunächst auch oft gegen den Widerstand vorschneller Verdächtigung eigener Interessen und vermuteter Reiselust. Insbesondere die Studien der internationalen Vergleiche (Timss und PISA) haben heute alle Kritiker verstummen lassen. Das persönliche Ansehen und Engagement des amtierenden SLV NRW-Vorsitzenden Dr. Burkhard Mielke führte dazu, dass er zum amtierenden Präsidenten der Europäischen Schulleitungsvereinigung (ESHA- European School-Heads Association) für die Jahre 2006 und 2007 gewählt wurde.


Starke Schulleitungsverbände nötiger denn je

Das Bild eines Schulleiters als primus inter pares ist tot. Dennoch geistert es in vielen Amtstuben der Kultusbürokratie und von Lehrerverbänden immer noch herum und streng vor sich hin. Obwohl viel erreicht wurde, ist die Entwicklung zu einem modernen Gesamtverständnis von Funktion, Aufgaben und notwendiger Ausstattungen in Status und Kompetenz der Schulleitungen hin zu einem pädagogischen Führungsamt mit eigener Ausbildung als pädagogischer Manager mit Dienstvorgesetzteneigenschaften noch nicht erreicht.

Die Übertragung immer neuer Aufgaben erzwingt eine neue Definition der Schulleitungsfunktion.
Daran arbeitet SLV NRW mit großer Energie und Kompetenz.

Zwischenzeitlich hatte sich die Arbeitsgemeinschaft der Schulleiterverbände Deutschlands – ASD zu einem Allgemeinen Schulleitungsverband Deutschlands – Verband deutscher Schulleitungen – ASD als in Berlin eingetragenem Verein etabliert.
Rudi Doil


2014 bis 2024

Die letzten 10 Jahre. Was kann, sollte, muss berichtet werden?
Woran erinnern wir uns?

Es sind nicht die großen Schritte.
In den ersten 30 Jahren waren sichtbare Erfolge zu verzeichnen.
Schulleitung als Beruf, Leitungszeit, Präsenz auf internationaler Ebene, Mitgestaltung des ASD, …

Und diese Erfolge erfordern Umsetzung. Umsetzung erfordert kleine Schritte, einen langen Atem, Geduld und Hartnäckigkeit, eine hohe Frustrationstoleranz und ein Nicht-locker-lassen. Daran haben wir uns orientiert.

Ein erster sichtbarer Erfolg auf der politischen Ebene sind die regelmäßigen Einladungen in das Ministerium, sei es MSB oder MSW. Hier finden die Gespräche statt, die zur Kleinarbeit der großen Schritte beitragen sollen und müssen.

Die Praxis: Die Ministerinnen zeigen sich offen, hören zu und machen deutlich, wie schwierig die Umsetzungen sind. Wenn sie es noch nicht in aller Deutlichkeit tun, tischen es spätestens im Nachgang die taktbestimmenden Ministerialen auf.

Antwort auf eine schriftliche Anfrage: Sie wollen eine Personalvertretung für Schulleiterinnen und Schulleiter? Das geht nicht. Nach dem Gesetz sind Sie Lehrerinnen und Lehrer. Das in dieser Knappheit und Kürze, man spürt sofort die Bereitschaft, sich mit einer neuen Forderung auseinanderzusetzen.

Die Kommunikation ist offen, zugewandt, häufig wirkungslos. Schriftliche Anfragen werden mal knapp, mal ausführlich, häufig an der Intention vorbei beantwortet. Juristische Gutachten werden zur Kenntnis genommen und schnell abgelegt.

Die Vorstände der SLV NRW bemühen sich und erkennen aber auch die Grenzen des Ehrenamtes.

Und die Mitglieder. Ihre Zahl droht zu schrumpfen, weil die SLVer der ersten Tage in den Ruhestand gehen. Es ist mühselig. Durch persönliche Ansprache, Angebote und in Glücksfällen medialer Aufmerksamkeit werden die Zahlen stabil gehalten.

Hilfreich sind dabei unsere Angebote. Als wirksam erweisen sich besonders die Herbsttagungen, die wechselnd in Düsseldorf und Witten stattfinden. Themen wie die Rechtssituation von Schulleitungen, Digitalisierung, Schulformvernetzung, Gesundheit u.a. und vor allem auch die Präsenz der wechselnden Ministerinnen füllen die Hallen und führen zu einer stärkeren Wahrnehmung des Verbandes. Aber es bleibt schwierig.

Ähnlich erscheint das Bild bei den verbandsinternen Fortbildungen. Ob mehrstufige Fortbildung zu Führungs- und Rechtsfragen oder eintägige Angebote zu Kommunikation, Konferenzleitung oder Konfliktmanagement. Die Anmeldelisten sind voll, Nachfragen erfolgen regelmäßig und werden stärker, nachdem die SLV NRW die Zusammenarbeit mit DAPF in Dortmund aufgekündigt hat. Es ist deutlich spürbar, dass die Bezirksregierungen ihre Angebote für Schulleitungen reduzieren. Hier wird der Schwerpunkt auf Orientierungsveranstaltungen für den Leitungsnachwuchs und auf Vorbereitungskurse für das Eignungsfeststellungsverfahren gelegt. Die Leitungen im Amt gehen weitgehend leer aus.
Gut für die SLV NRW. Das Angebot Praktiker für die Praxis läuft inzwischen seit 10 Jahren mit Erfolg.

Dass Schulleitungen Bedarf an kompetenter Unterstützung haben, wird an anderer Stelle sehr deutlich. Der Beratungsdienst verzeichnet in diesen 10 Jahren eine wachsende Nachfrage. Innerschulische Rechtsfragen, Fragen zu Schulschließungen und Versetzungen, Auseinandersetzungen mit Eltern und Rechtsanwälten, das Verhältnis zur Schulaufsicht u.v.m. beschäftigen den Beratungsdienst, der schriftlich und mündlich versucht, den bedrängten Kolleginnen und Kollegen zu helfen. Dabei wird deutlich, dass das veränderte Bild und Verständnis der Schulleiterrolle in der Schulaufsicht zur Verwirrung, mitunter auch zu Verwerfungen beitragen. In den vorausgegangenen Jahren sind immer mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten an die Schulen gegangen. Schulleitung ist immer eigenständiger geworden: In den Schulen wird es als Widerspruch empfunden, wenn Schulaufsicht wenig unterstützt, kaum erreichbar ist, rechtlich nicht verlässlich agiert, sich dann aber einmischt oder mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen die schulische Arbeit konterkariert. Die Konflikte sind vorprogrammiert und landen am Telefon oder im PC des Beratungsdienstes. Und von dort geht es immer wieder an den hauseigenen Justiziar oder auch an ausgesuchte Kanzleien, die mit unseren Mitgliedern die ersten oft tiefgreifenden Schritte beraten.

Das geschieht alles im Hintergrund und gleichzeitig versuchen die Vorständler mit Unterstützung eines wirksamen Backoffice die Themen Eigenständige Schulleitung, Personalvertretung für Schulleitungen, Referat im Ministerium, Copsoq, Leitungszeit, Besoldungsgerechtigkeit u.a. gegenüber der Bildungsbürokratie und -politik zu vertreten.

Und plötzlich ist das alles unwichtig. Corona.

Alles steht still. Auch die Schulen.
Aber sehr schnell wird damit begonnen, Schulen und den Unterricht anders zu organisieren. Schülerinnen und Schüler sitzen zuhause und erhalten erst einmal ihre Aufgaben auf Papier, Kollegien bereiten alles vor und fangen ihre Klassen aus der Ferne auf. Mit nicht geahnter Schnelligkeit entstehen digitale Möglichkeiten. Arbeitsblätter werden nicht mehr abgeholt, sondern erreichen die Adressaten auf dem Rechner, Videokonferenzen ersetzen den Klassenraum, später wechseln sich analoger und digitaler Unterricht ab. Die Schulen gehen durch ein Härtebad.

Und immer halten die Schulleitungen die Stellung und sorgen für die Umsetzung der ständig wechselnden Vorgaben, die die Schulen vorzugsweise am Freitag zwischen 14 und 22 Uhr erreichen. Die Aufgaben für Schulleiterinnen und Schulleitersind in dieser Situation äußerst vielfältig und teilweise unvorhersehbar. Schulleitung wird zur Lebensaufgabe. 24/7 hält Einzug. Die SLV NRW erhält Rückmeldungen, dass Schulleiterinnen und Schulleiter zwischen Februar 2020 und Sommer 2021 keinen echten Urlaubstag hatten.

Tatsächlich war die SLV NRW, wie auch viele andere Verbände, an den Entscheidungen des MSB beteiligt. Beteiligt heißt, dass wir eingeladen und angehört wurden. Abschließend wurde erwartet, dass wir den mitgebrachten Lösungen des MSB zustimmten. Das sorgte für Unmut. Im Nachhinein kann man jedoch Verständnis für die Haltung des MSB aufbringen. Dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machten die Erfahrung, dass ihre Vorarbeiten wiederholt über Nacht durch höher angesiedelte politische Entscheider auf den Kopf gestellt wurden.

Für die SLV NRW brachte die Coronazeit einen unerwarteten positiven Aspekt mit sich.

Die SLV NRW war in dieser Zeit von den Medien angefragt wie niemals zuvor. Stellungnahmen des Schulleitungsverbandes wurden von vielen Medienschaffenden, vom Lokalblatt bis zum öffentlich-rechtlichen Sender angefragt. Die Journalisten machten deutlich, dass sie den umfassenden Blick auf Schule und alle Beteiligten schätzten. Der uns selbstverständliche Schulleitungsblick sorgte mit dafür, dass die Schlüsselrolle von Schulleitungen für die Qualität und das Funktionieren von Schule verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Diese neue Aufmerksamkeit erwies sich als sehr fordernd. Die neuen digitalen Möglichkeiten erwiesen sich dabei aber als sehr nützlich, um diesen gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.

Leider hat das nicht ausgereicht, als wir, wie viele andere auch, auf die sichtbaren und spürbaren Folgen nach Corona für Schülerinnen und Schüler hingewiesen haben und auf die Notwendigkeit von nachhaltigen Hilfen gepocht haben. Mit dem Auslaufen der stärksten Coronawellen liefen auch schnell die bis dahin eingerichteten Unterstützungsmaßnahmen aus, ebenso ließ der Elan und die Ernsthaftigkeit bei der Umsetzung der Digitalisierung spürbar nach.

Wir sind schnell wieder da angekommen, wo wir vor Corona gestanden haben.

Der neue Vorstand der SLV NRW konnte da ansetzen, wo der alte geendet hat. Mit neuen Ansätzen zu den Themen Selbständige Schule, eigene Personalvertretung für Schulleitungen, Referat im MSB, Interessenkonflikte zwischen Schulaufsicht und Schulleitung. Und mit einem neuen Thema:

40 Jahre Schulleitungsvereinigung NRW.

Herzlichen Glückwunsch
Harald Willert


Der Vorstand 2024

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