Archiv: 40 Jahre SLV NRW

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Ein Missstand besteht darin, dass die Schulmeister mit ein und demselben Unterrichtsstoff und nach ein und demselben Mass eine Vielzahl junger Geister von unterschiedlichen Massen und Begabungen unter ihre Fuchtel nehmen.
Empfindungsweise und Seelenstärke der Menschen sind verschieden. Man muss sie daher ihrer Wesensart gemäss auch auf verschiedenen Wegen zu ihrem Besten führen.

Les Essais de Michel de Montaigne (1533 - 1592)
Einladung
Einladung zum 40-jährigen Jubiläum ( PDF öffnen)

Vorwort

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Die Schulleitungsvereinigung Nordrhein-Westfalen (SLV NRW) feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum ist ein passender Anlass, um über die Bedeutung einer starken Interessensvertretung für Schulleitungen nachzudenken. Denn eines steht fest: Keine starke Schule ohne starke Schulleitung. [...]

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Schulleiterinnen und Schulleiter prägen maßgeblich das Profil ihrer Schulen. Sie sind nicht nur für die organisatorische Leitung verantwortlich, sondern auch für die pädagogische Ausrichtung und die Entwicklung einer positiven Schulkultur. Sie gestalten den Unterrichtsalltag, fördern die Zusammenarbeit im Kollegium und setzen Impulse für Schulentwicklungsprozesse. Besonders bei der digitalen Transformation der Schulen kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu. Sie initiieren Konzepte für den Einsatz digitaler Medien, fördern die Weiterbildung des Kollegiums und sorgen für die notwendige technische Ausstattung. Ohne ihre Vision und ihr Engagement bleibt die Digitalisierung oft ein unerfülltes Versprechen, das die Schülerinnen und Schüler um wertvolle Bildungschancen bringt.

Der Beruf des Schulleiters ist anspruchsvoll und vielfältig. Neben pädagogischem Fachwissen sind Führungsqualitäten, Organisationstalent und soziale Kompetenz gefragt. Schulleitungen müssen Personal führen, Budgets verwalten, rechtliche Vorgaben einhalten und gleichzeitig ein Lernumfeld schaffen, in dem sich Schülerinnen und Schüler optimal entwickeln können. In Zeiten von Lehrermangel, steigenden Verwaltungsaufgaben und gesellschaftlichen Veränderungen stoßen Schulleitungen oft an ihre Grenzen. Hier setzt die SLV NRW an und bietet Unterstützung, Austausch und eine gemeinsame Stimme gegenüber Politik und Verwaltung. Sie vertritt die Interessen der Schulleitungen und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Ressourcen ein.

Als junger Schulleiter haben mir die Angebote der SLV NRW, insbesondere die Seminare und die Beratung, sehr geholfen. In den Fortbildungen konnte ich mich mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen austauschen, von ihren Erfahrungen profitieren und neue Impulse für meine eigene Arbeit gewinnen. Die Beratungsangebote haben mir ermöglicht, individuelle Herausforderungen zu bewältigen und mich in meiner Rolle als Führungskraft weiterzuentwickeln. Sie gaben mir das Rüstzeug, um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden und meine Schule erfolgreich zu führen. Ohne diese Unterstützung wäre der Einstieg in das komplexe Aufgabenfeld einer Schulleitung deutlich schwieriger gewesen.

Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Strömungen kommt den Schulen eine besondere Verantwortung zu. Sie sind Orte der Begegnung, an denen junge Menschen demokratische Werte wie Respekt, Toleranz und Vielfalt erfahren und erlernen. Durch die enge Zusammenarbeit mit der European School Heads Association (ESHA) pflegt die SLV NRW den europäischen Dialog und ermöglicht den Austausch mit Schulleitungen aus anderen Ländern. Dieser internationale Blickwinkel hilft uns, gemeinsame Strategien zu entwickeln, um Toleranz und Offenheit zu fördern und Extremismus entgegenzutreten. Der Austausch über Landesgrenzen hinweg bereichert unsere Arbeit und zeigt, dass wir in vielen Fragen ähnliche Herausforderungen teilen.

Die nächsten Jahre werden weitere Herausforderungen bringen. Themen wie Inklusion, Ganztagsschule, Integration von Flüchtlingen, Umsetzung neuer Lehrpläne und der Umgang mit den Folgen der Pandemie erfordern innovative Lösungen und engagierte Führungskräfte. Ohne starke Schulleitungen lassen sich diese Aufgaben nicht bewältigen. Die SLV NRW steht als verlässlicher Partner an der Seite der Schulleitungen in Nordrhein-Westfalen. Sie setzt sich dafür ein, dass die Stimmen der Schulleitungen gehört werden, bietet Plattformen für den Austausch und unterstützt die professionelle Weiterentwicklung.

Im Namen der SLV NRW möchte ich allen Schulleiterinnen und Schulleitern für ihr unermüdliches Engagement danken. Gemeinsam können wir die Bildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen positiv gestalten und den kommenden Generationen die bestmöglichen Bildungsbedingungen bieten. Lassen Sie uns die nächsten 40 Jahre ebenso engagiert angehen und weiterhin zusammenarbeiten, um die Zukunft unserer Schulen zu sichern.

Reto Stein


Einladung
Programmheft zum 40-jährigen Jubiläum ( PDF öffnen)

Ehrung von Prof. em. Dr. Hans-Günter Rolff durch Margret Rössler

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Sehr geehrter Herr Professor Hans-Günter Rolff,
lieber Ha-Gü,

Wir ehren nicht das Lebenswerk – das können wir nicht.

Wir ehren, was wir wissen und was für uns als Leitungspersonen im Bildungsbereich so relevant war und ist:
die markanten Forschungsergebnisse und diese für den Transfer in die pädagogische Praxis verfügbar zu machen. [...]


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  • Für mich begann das während meines Studiums mit deinen Veröffentlichungen zur Sozialisationsforschung, und ich stellte fest: das hier hatte etwas mit mir zu tun, das ging mich etwas an, war relevant! Ich verstand die Bedingungsfelder unserer Gesellschaft für individuelle Bildung und persönliches Wachstum, für sozialen Aufstieg und soziale Integration durch Bildung, und wo mein eigener Platz darin war.

    Impliziert fand ich den Appell an die politisch Verantwortlichen, sich dafür einzusetzen, die brach liegenden Begabungen und Bildungsreserven zu aktivieren und zu entwickeln: immer wieder. Und ich beschloss, das zu einem meiner Examensschwerpunkte zu machen. Und siehe da: es waren ganz Viele, die das auch so machten.
    Dies war eine Bewegung in unserer Gesellschaft, zu der die Dynamisierung des Begabungsbegriffs gehörte, die Betonung des Rechts auf Chancengleichheit jedes Einzelnen und an jedem Ort unserer Republik und auf Formen der Demokratisierung in den Schulen. Du hast dazu erheblich beigetragen, was auch immer daraus bis heute geworden ist.

  • Als zweites nenne ich deine umfassende Arbeit über und in Bereichen der Schulentwicklung, (du warst ja auch sehr viel in den Schulen). Es geht darum, die Institutionen der Bildung wandlungs- und adaptionsfähig zu machen für die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfordernisse; und gleichzeitig und nicht weniger berechtigt geht es auch darum, die individuell - biografisch bedingten Belange von Schülerinnen und Schülern aufzugreifen und für sie und mit ihnen Antworten zu finden auf die jeweiligen Herausforderungen. Das wichtigste für uns Schulleiter:innen und alle Akteure in Schulen war sicherlich der Modellversuch Selbstständige Schule, weil er so viele Instrumente selbstverantwortlicher Schulentwicklung hervorbrachte. Dennoch, und trotz der guten Erfahrungen im In-Und Ausland, ließen unsere bildungspolitisch Verantwortlichen diesen im Sande verlaufen, sei es wissentlich und absichtsvoll oder aus Ignoranz gegenüber der Schlüsselrolle, die das Konzept Selbständige Schule für Schulqualität und Entwicklung spielt.

  • Und schließlich ist aus unserer Perspektive deine Arbeit zur Rolle und Bedeutung von Schulleiterinnen und Schulleitern und allen in Leitung Involvierten an den Schulen herauszustellen.
    Beispielsweise die Kongresse der DAPF (der Dortmunder, heute der Deutschen Akademie für Pädagogische Führung). Diese Kongresse waren gelungene gemeinsame Veranstaltungen mit Vertreter:innen der Wissenschaft wie auch der Praxis von Schulen. Mit ihren am Puls der Zeit orientierten exzellenten wissenschaftlichen Beiträgen und den praxisnahen Workshops präsentierten diese Kongresse Handwerkszeug für Schulleitungen mit vielen Beispielen und Modellen aus der Arbeit von Schulen, geeignet für die Anregung und Anstiftung anderer Schulen. Zahlreiche innovative Projekt- und Schulleitungen aus NRW, viele aus unserem Verband, zeigen unter anderem, was einzelne Schulen ermöglichen und schaffen.

Zwei besondere Tagungen möchte ich nennen, um deine kenntnisreiche Wertschätzung beider Arbeitsbereiche und der ihnen jeweils eigenen Perspektiven zu verdeutlichen.

Schulleiterinnen und Schulleiter aus unserem Schulleitungsverband und Gewinner des Deutschen Schulpreises waren eingeladen mit Vorträgen teilzunehmen auf dem von der DAPF gemeinsam mit der Universität Shanghai organisierten Kongress German-Chinese Educational Leadership Summit Dialogue – System Monitoring & School Development (Shanghai 2009), an dem namhafte chinesische und deutsche Professoren ihre Beiträge einbrachten. Das war für uns eine einzigartige Erfahrung des Wissens- und Denk- Austausches, der Begegnung und Kooperation.

Die SLV NRW als Ausrichter der ersten ESHA-Konferenz deutschsprachiger Regionen in Europa, Basel im Mai 2008, hatte das Glück, Professor Rolff als Referenten für den Leitvortrag über die Wirksamkeit von Schulleitungen zu gewinnen. Sowohl in der Schuleffektivitätsforschung als auch in der Schulentwicklungsforschung konnte demnach seit damals über 25 Jahren die zentrale Bedeutung der Schulleitung für die Qualität der Einzelschule belegt werden. Rolff betonte die besonderen Rollen der Schulleitung, durch die sie sich als Treiber der Schulentwicklung auszeichnen.
Die bisher erheblich unterschätzte Bedeutung von Schulleitung und Schulführung erfuhr eine neue Sichtweise, indem sich der der Blick auf das Lernen und die Leistung von Schülerinnen und Schülern richtete, wobei Rolff mit Bezug auf Studien von Heck und Hallinger feststellte:

Schulleitung wirkt indirekt auf Schülerleistung; sie wirkt jedoch besser, je direkter Schulleitung die Atmosphäre und die innere Organisation der Schule beeinflusst. Schulleitung hat also einen erheblichen direkten indirekten Einfluss auf Schülerleistung.
Deshalb gibt es keine gute Schule, ohne gute Schulleitung

Rolff, Basel 2008

Das so deutlich benannt zu haben, dafür sind wir dir dankbar - nicht so sehr, weil es unsere Bedeutung als Schulleitungen aus der Unterschätzung heraushebt und unsere Wirksamkeit betont, sondern weil es unsere besondere moralisch-ethische Verantwortung in der Gesellschaft so deutlich macht.

Lieber Hans-Günter Rolff, du bist ein Brückenbauer zwischen Forschung und Seminar, zwischen Befunden und Ergebnissen einerseits und dem gestaltenden Handeln andererseits. Für diesen Transfer vom Wissen zum Tun hast du Institute und Zeitschriften gegründet und Orte des Austausches und des Lernens geschaffen und bist dabei teilweise bis heute aktiv. Wir ehren dich als unseren freundschaftlichen Berater und Begleiter und bedanken uns für deine Treue zum Berufsstand Schulleitung und Schulführung.
Margret Rössler