Der Zehnkampf
PDF öffnenZukunft schaffen - Forderungen für das erfolgreiche Arbeiten von Schulleitungen in NRW – ein Kampf in 10 Disziplinen:
Was ist konkret zu tun, um Schulleitungen zu stärken und gesund zu erhalten? Was ist zu tun, um überhaupt noch neue Schulleitungen zu gewinnen?
Es geht um die Aufgaben und Anforderungen von Schulleitung als Zehnkampf und um daraus die Forderungen entwickeln, die erfüllt sein müssen, um überhaupt noch neue Menschen zu finden, die sich dieser beruflichen Herausforderung stellen wollen.
Ich möchte heute über die Aufgaben und Anforderungen von Schulleitung als Zehnkampf sprechen und daraus die Forderungen entwickeln, die erfüllt sein müssen, um überhaupt noch neue Menschen zu finden, die sich dieser beruflichen Herausforderung stellen wollen.
Der Zehnkampf ist eine Disziplin in der Leichtathletik, die aus zehn unterschiedlichsten Einzeldisziplinen besteht und sowohl körperliche als auch mentale Stärke erfordert. Ähnlich vielfältig und anspruchsvoll ist auch die Aufgabe der Schulleitung in unserer Zeit und in Zukunft.
Die Schulleitung übernimmt die zentrale Rolle im schulischen Alltag. Sie ist nicht nur für die Organisation und Verwaltung der Schule verantwortlich, sondern trägt auch maßgeblich zur Schulentwicklung, zum Schulklima und zur pädagogischen Ausrichtung bei.
Die Schulleitung muss in allen „Disziplinen“ glänzen, um erfolgreich zu leiten. Damit sie das erfolgreich tun kann, müssen folgende Forderungen erfüllt werden:
Im „100-Meter-Lauf“ der Schulleitung, der Kommunikation, ist eine effektive, schnelle und vor allem reaktionsschnelle Verständigung in der jeweiligen Tageskrise mit allen Beteiligten - sei es mit den Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften, den Eltern und allen weiteren Partnern von Schule und Bildung - von entscheidender Bedeutung für das gute Funktionieren der Schule. Nicht selten werden diese Krisen durch Veröffentlichungen des Schulministeriums ausgelöst.
Hier sind dringlich geeignete Formen der Kommunikation in der obersten Schulaufsicht und mit den weiteren Behörden erforderlich, die fachlich nur dann tragfähig sind, wenn im Schulministerium selber kompetente Schulleiterinnen und Schulleiter aus allen Schulformen in einem Schlüsselreferat vorhanden sind, die der jeweiligen Führungskraft und den Abteilungsleitungen erklären, welche Tragweite ihre Entscheidungen im schulischen Alltag haben, welche Aufgaben- und Verantwortungsflut sie den Schulleitungen des Landes in den letzten 20 Jahren zugemutet haben und vor allem was tatsächlich in Schulen im Jahre 2024 ff los ist. Denn das, was dort in Erlasse und sonstige Rahmen gegossen wird, negiert völlig die Realität und ist oft nicht machbar und auch nicht sinnvoll.
Im „Weitsprung" der Schulleitung geht es zunächst darum, über den Tellerrand hinauszuschauen und innovative Ideen umzusetzen. Die Schule muss mit der Zeit gehen, sich den aktuellen Herausforderungen stellen und zukunftsorientiert handeln. Wir sollen nachhaltig und digital bilden… Weit im Voraus nach vorne blickend, entscheidet die Schulleitung welche „Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird dauerhaft im Stall ankommt“ und „auf welches Pferd sie nicht aufspringen muss, weil der klapprige Gaul sowieso zeitnah zusammenbrechen wird“. Hierbei ist sie weitestgehend allein gelassen. Engagierte Mitglieder von Steuergruppen, Fachkonferenzen und Schulentwicklungsgruppen sind damit beschäftigt den Schulalltag zu organisieren und zu überleben. Da kann die Ministerin gerne Schulanfangsmails und Schuljahrespressekonferenz nutzen, um von „neuem Tatendrang“ zu sprechen. Der ist spätestens dann verflogen, wenn man als Schulleitung nicht mal eine Unterrichtsverteilung in Kohärenz zur Ausbildungsordnung herstellen kann und damit nicht mal eine Grundlage für die Erstellung eines Stundenplanes liefert.
Sprechen wir vom „Weitsprung“ der Schulleitung ist die unerlässliche Forderung gemeint, Schulleitungen in Zeiten mangelnden Personals und Personal mit mannigfaltigen Begabungen und Talenten aber ohne Qualifikation (…) die Sicherheit und die Rückendeckung durch die Schulaufsicht zu geben, eigenständige, weil alternativlose Organisationsgrundentscheidungen zu treffen, die womöglich die gesetzten Vorgaben kreativ auslegen – also bildlich „mutig und weit über die Vorgaben hinwegzuspringen“. Denn Fakt ist doch: Das geht in manchen Schulformen gar nicht mehr anders. Eine gute Schulleitung besitzt so viel Sprungkraft, dass sie alternative Fakten für ihr System schafft, um es „am Laufen zu halten“. Und das muss völlig legitim sein in einer eigenständigen Schule!
Schulaufsicht ist da weitestgehend überflüssig, weil hinderlich.
Sie wollen alle Stufen der Schulaufsicht erhalten, Frau Ministerin? Obwohl Sie jetzt schon keinen Durchgriff auf die Bezirksregierungen haben und halten es nicht mal für nötig die Schulmails, die an die Schulen gehen, auch an die untere Schulaufsicht zu schicken, weil die für Sie gar nicht relevant ist? Sie bleiben bei der seit Jahrzehnten eingeübten Praxis, diejenigen in die Schulaufsicht „wegzubefördern“, die wir als Schulleitungen sowieso nicht gebrauchen können? Dann brauchen wir uns auch gemeinschaftlich nicht zu wundern!
Für den Fall, dass Sie über geeignete Formen des Eignungsfeststellungsverfahrens für Schulaufsichten nachdenken, unterstützen wir Sie sehr gerne bei der Auswahl der Kriterien mit der Zielrichtung: Ein Perspektivwechsel auf Schule ist für Schulaufsichten keineswegs wünschenswert, sondern hinderlich, um dem Aufgaben-/Anforderungsbereich gerecht zu werden – und das ist die Unterstützung und kompetente Begleitung, womöglich Beratung von Schulen und Schulleitungen.
Wie beim „Kugelstoß“ sind Kraft und Schnellkraft erforderlich, um oftmals schwierige Entscheidungen z.B. in der Trias mit Schulaufsicht und Schulträger auf sich zu nehmen und entgegen den Maßgaben der beiden anderen Player durchzusetzen. Da braucht man ein „breites Kreuz“. Als „Schwergewicht“ erweist die Schulleitung Standhaftigkeit, wenn der Druck von beiden anderen sog. „Unterstützern von Schule“ groß- womöglich zu groß wird – und wendet sich in diesem Spannungsfeld womöglich an die SLV NRW und/oder eine kompetente Rechtsberatung. „Eine leichte Kugel“ wird keine Schulleiterin und kein Schulleiter in NRW „schieben“.
Die daraus resultierende Forderung nach einer eigenen Personalvertretung für Schulleitungen in NRW, ebenfalls angesiedelt bis in die oberste Schulaufsicht untermauert die SLV NRW seit vielen Jahren. Diese wird bislang mitnichten durch die etablierten Gewerkschaften geleistet. Warum auch? Sie vertreten Lehr- und Fachkräfte – nicht selten gegen die Schulleitung. GEW und VBE haben keinen Grund Interessen von Schulleitungen gegenüber Schulaufsicht und Schulträger zu vertreten. Hier steckt einer der größten Systemfehler. Dieser gehört seit Jahrzehnten korrigiert. Keine Landesregierung hat sich dieser Sache angenommen. Keine Schulministerin hat Interesse daran, sich „noch eine weitere Laus in den Pelz zu setzen“. Ohne rechtliche Stärkung, ohne Anerkennung von Schulleitung als eigenständigen Beruf und ohne eigene Berufsvertretung werden wir kaum noch neue Mitglieder für diesen besonderen „Lehrerberufsstand“ finden. Das gilt insbesondere für die Schulformen, in denen nicht mal die Besoldung von Schulleitungen und Konrektorinnen und Konrektoren angemessen erfolgt. Nicht irgendwann in der nächsten Legislaturperiode, sondern jetzt sofort muss laut über die Besoldungsgerechtigkeit gesprochen werden! Alle Schulleitungen von kleinen wie großen Systemen haben dieselben Anforderungen, dieselbe Aufgabe- und Verantwortungsflut. In Grundschulen gibt es maximal 2 Leute im Schulleitungsteam die dies bewältigen. In großen Systemen werden die Aufgaben auf viele Schultern verteilt, die dementsprechend entlohnt werden.
Auch der „Hochsprung“ erfordert eine ausgefeilte Technik. Aus dem alltäglichen Kurvenlauf zwischen Unterrichtsverteilung, Vertretungsplan, Untstat, Cosmo und ASDPC heraus, muss die Schulleitung mit einem schnellkräftigen einbeinigen Absprung die Hürden der Stellenbesetzung, der Personal- und der Raumplanung überwinden, sich quasi in der Luft drehen und diese mit den verbindlichen Vorgaben der jeweiligen Ausbildungsordnung in Einklang bringen. Nicht immer ist eine weiche Landung garantiert, oftmals wird „die Latte knapp gerissen“. Schild NRW, SchIPS, Seiteneinsteigerstatistik, Schüler Online für die Übergänge und Co, GPC und GKD… ständig weiterwachsende und rund ums Jahr immer kurzfristige Anforderungen an Auskünften aller Art für Schulaufsicht und Schulträger, für Politik und Öffentlichkeit. Eine nie da gewesene Berichts- und Verwaltungsflut wird ganz sicher nicht dadurch gemildert, dass Schulverwaltungsassistenzen an Schulen etabliert werden - so lange dafür Lehrerstellen hergegeben werden müssen. Schulen brauchen alle Lehr- und Fachkräfte, die jetzt in der Pipeline und bereits in den Systemen sind und die Schulverwaltungsassistenzen zusätzlich, Frau Ministerin.
Weg mit all diesen sinnfreien und folgenlosen Statistiken und Abfragen, die oftmals von Schulträgerseite in einem anderen Format nochmal kommen. Was nützt eine Haupterhebung, die ich nicht so ausfüllen und wegschicken kann, wie es in der Realität aussieht? Was nützt eine Unterrichtsausfallstatistik in die ich nicht mal den strukturellen Ausfall reinschreiben kann? Also all die Stunden, die ich gar nicht erst in den Stundenplan reinschreibe, weil sowieso keine Lehrkräfte dafür an meiner Schule sind? Schulleitungen dürfen nicht mehr dafür missbraucht und instrumentalisiert werden, um all die Steuerungsmiseren des Schulministeriums auszubaden und zu vertuschen.
Weg auch mit all diesen Mails aus der obersten und oberen Schulaufsicht, die vorgeschobenen Tatendrang der politisch Verantwortlichen vortäuschen. Wer bitte hat bislang in Kunst Förderunterricht erteilt? Wer bitte hat bislang keine Leseförderung an Grundschulen gemacht? Mit all diesen vorgetäuschten Maßnahmen zur Rettung von Bildung manifestiert sich immer wieder derselbe Eindruck: eine solche Schulaufsicht ist überflüssig. Sie sollte sich zum Wohle eigenständiger Schulen abschaffen.
Auch beim „400-Meter-Lauf“ ist die Kurventechnik entscheidend. Zudem sind Kondition und Schnelligkeit wichtig. Hier geht die Schulleitung auch dahin, wo es wehtut: „Ärger“ war ihr 2. Vorname. Wer bitte betritt ein Schulleitungsbüro, wenn es nichts zu regeln, anzumerken, zu beschweren, zu organisieren oder kurz: zu meckern gibt? Niemand. Hier ist die Ausdauer im Vergessen der Schulleitung angesprochen. Eine gute Schulleiterin, ein guter Schulleiter vergisst auf dem Rückweg nach Hause all das, was tagtäglich an sie/ihn herangetragen wurde, um überhaupt in den Schlaf zu kommen. Es geht hier um ausdauerndes Vergessen, um in diesem Job dauerhaft gesund zu bleiben.
Um Schulleitungen bei der Bewältigung dieser Tag- und Nachtanforderungen zu helfen, sind permanente und echte Unterstützungssysteme zu etablieren, die nicht nur punktuell angefordert werden müssen, sondern von vornherein und immer da sind. Schulleitungen benötigen ununterbrochene Fortbildungs-, Kommunikations- und Resilienzbegleitung, um diesen Job gesundheitsförderlich und dauerhaft ausüben zu können. Die Forderung nach „Leitungszeit“ gehört hier ebenso hin. Es darf nicht sein, dass Schulleitungen einer halben Stelle Unterrichtsverpflichtung nachkommen und quasi nebenher im Vorbeiflug mit der anderen halben Stelle ihre eigene Schule und das Nachbarsystem, welches aus 2 Standorten besteht, leiten. Hier sind gesundheitsschädliche Dimensionen erreicht, die zu einer Flut von Entpflichtungen, Dauererkrankungen und vorzeitigen Ruhestandsabsichten führen.
Die Schulentwicklung als „110-Meter-Hürdenlauf“ erfordert Vision, Planung und Durchsetzungsvermögen. Die Schulleitung muss in der Lage sein, neue pädagogische Konzepte zu entwickeln, Veränderungen anzustoßen und das Kollegium sowie Schüler- und Elternschaft zu motivieren, zu inspirieren und mitzunehmen. Und sie muss womöglich erkennen, dass Beratung und Entwicklung als Formen des aktiven Abgebens viel friedlicher zum Ziel führen können als Leitung von oben und Führung in der Hierarchie. Der schnelle Anlauf, die richtige Schrittlänge und das exakte Treffen des Abdruckpunktes können leider trotzdem dazu führen, das Schwung- oder Nachziehbein an der Hürde unwilliger oder inkompetenter Kollegien scheitern oder womöglich die Elternschaft nicht mitzieht. So könnte die wichtigste Kompetenz der Schulleitung darin liegen, zu erkennen, dass jetzt gar nicht die richtige Zeit für Schulentwicklung ist – wenn sowieso keiner mitmacht oder immer nur dagegen ist oder die entsprechenden Rahmenbedingungen nicht hergestellt werden.
Hiermit verbunden ist die Forderung nach generellem Umdenken: Wie wichtig ist uns Schulentwicklung in Zeiten mangelnden Fachpersonals, mangelnder Digitalisierung, in Zeiten mangelnder Ressourcen für eine pädagogisch und räumlich angemessene Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung, in Zeiten maroder Schulgebäude? Wie soll ich Schulentwicklung verantworten, wenn nicht mal Geld im städtischen Haushalt für eine Zwischenreinigung der Schülertoiletten da ist oder Geld für eine angemessene Ausstattung mit Mobiliar für die Räume, die am Nachmittag flexibel genutzt werden müssen? Hier sind Schulleitungen von der Erwartungshaltung zu befreien, sie müssten die Welt retten und wer weiß was auf „eigene Knochen“ realisieren. Die Mär vom „Gestaltungsfreiraum für Schulleitungen“ gehört eingestampft. Verantwortung ist im Kollegium zu teilen. Aufgaben kann man an fähige Personen abgeben. Erwartungen und Ansprüche an guten Unterricht, gute Betreuung, individuelle Förderung und Forderung, Inklusion und BNE sind zu reduzieren. Erwartungen an Schulleitungen sind zu reduzieren! Die Schulträger müssen ganz klar formulieren, was auf Grund mangelnder Finanzen an und in Schulgebäuden und bei der Digitalisierung und Ausstattung gespart wird. So lange auf allen politischen Ebenen kein Geld für Bildung ausgegeben wird, mangelt es an guten gesunden Schulen und Interessenten für den Beruf Schulleitung in so mancher Schulform.
Und es mag in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt sein, wozu wir uns immer noch eine Qualitätsanalyse an Schulen leisten? Wer glaubt denn daran, dass wir dadurch bessere Schulen, bessere Bildung erhalten? Was hätten wir für eine zusätzliche personelle Lehrkräfte-Ressource, Fachkräfte und auch Schulleitungen in den Schulen zur Verfügung, wenn wir diese Qual abschaffen, die uns sowieso nicht weiterbringt.
Ebenso unsinnig aufgeblasen ist das ganze Fortbildungssystem, welches notdürftig durch Weisung von ganz oben renoviert wurde. Wir sind gespannt, ob es qualitativ besser wird als in den Jahrzehnten zuvor. Und wir sind gespannt, ob Schulleitungen und Kollegium noch die Kraft haben, zusätzlich zu den tagesaktuellen Krisen und schulischen Herausforderungen diese Fortbildungen zu besuchen. Es bleibt abzuwarten, ob die stärkere Regionalisierung des Fortbildungssystems zu mehr Attraktivität führt.
Für kaum eine andere Disziplin ist der Aufbau eines stützenden und schützenden Muskelkorsetts so wichtig wie beim „Diskuswurf“. Und es ist kein Zufall, dass nur die motorisch und konditionell begünstigteren weit werfen können. Nicht wenige Schulleitungen verdrehen sich bis zu einem ungesunden Grad, bemühen sich stets es allen „recht zu machen“. Das endet dann oft unglücklich. Unterstützung finden Schulleiterinnen und Schulleiter ganz sicher nicht in den Schulaufsichten. Coaching und Beratung von außen können wichtige Hilfsmaßnahmen sein, um dem Druck von außen und innen gewachsen zu sein, damit die Scheibe eine elegante Flugkurve nimmt und womöglich hinter der angepeilten Ziellinie aufschlägt.
Hiermit verbunden ist aber auch die Forderung nach einer motivierenden Auswahl der Lehrkräfte, die sich ein Leitungsamt zutrauen. Noch immer erdreisten wir uns jedes Jahr zig engagierte Kolleginnen und Kollegen durch das Eignungsfeststellungsverfahren durchfallen zu lassen! Dabei ist doch längst jedem klar, dass die hier zugrunde gelegten Beurteilungskriterien nicht tragfähig sind und oft nicht sachlich genug angewendet werden.
Vielmehr gilt es doch jedes engagierte Kollegiumspflänzchen liebevoll und beständig zu gießen und immer wieder „der Sonne zuzudrehen“ (loben), damit wir es dauerhaft für ein Leitungsamt gewinnen können. Und dann ist vor allem im mentalen wie im persönlichen Bereich zu prüfen, ob sich diese Person eignet, um dem Job gewachsen zu sein. Dazu ist eine intensive Begleitung im Tagesalltag durch eine erfahrene Schulleitung wichtig und die gemeinsame Beobachtung mit der Blickrichtung „Umgang mit Druck“. Unsinnige Tests benötigen wir dafür nicht. Schulleitung ist ein Beruf, den man studieren und erlernen kann. Dafür benötigen wir eine bessere rechtliche Ausbildung, die permanent begleitend zum Berufsalltag fortgeführt wird sowie eine gezielte Managementausbildung wie sie in der Wirtschaft üblich ist. Dann können eigenverantwortliche Schulleitungen selbstständige Schulen leiten. Unterstützung benötigen sie dann nur noch durch das Landesamt für Besoldung und die Personalabteilungen der Schulaufsichten. Alle weiteren Instanzen sind überflüssig.
Die Anforderungen an die Schulleitung als Stabhochspringer*in sind aufgrund der anspruchsvollen Bewegungsabläufe während aller Phasen des Bewegungsablaufes sehr hoch. Neben Koordination und Sprungkraft sind auch turnerische Fähigkeiten wichtig. Ausschlaggebendes Element für das Gelingen sind Einstich und Absprung. Wie sehr die Schulleitung auch turnt, die Latte ist immer zu hoch! Schaffen wir es mit dem vorhandenen Personal die Mindestanforderungen der Stundentafel umzusetzen? Schaffen wir eine sinnvolle Rhythmisierung von Schulalltag ohne pädagogisch versierte Fachkräfte, ohne dauerhaften Träger in der Betreuung, ohne fundiert ausgebildete Lehrkräfte? Wie schaffe ich das alles mit Lehrkräften, die kein Studium oder unpassende Fächerkombinationen mitbringen? Mit Lehrkräften, die eine oft mangelnde Vorbereitung auf die Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Familien oder mit einer aktuellen Zuwanderungsgeschichte haben. Wie unterrichten wir Kinder, deren Familien schon lange bei uns leben, die aber nicht integriert sind? Was tun wir ganz konkret mit Kindern und Jugendlichen, die kein oder nur unzureichend Deutsch sprechen? Die Lehrerausbildung hat seit Jahrzehnten keine Antworten auf diese Fragen. Noch immer leisten wir uns ein langes Studium, welches mitnichten auf die Anforderungen des Referendariates vorbereitet. Noch immer leisten wir uns ein Referendariat, was mitnichten auf die tatsächlichen Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer vorbereitet.
Wer gute Schulen will, braucht gute Schulleitungen. Und gute Schulleitungen können nur für guten Unterricht sorgen, wenn sie gute Lehrerinnen und Lehrer haben. Sie sind der Schlüssel zur Unterrichtsqualität an unseren Schulen. Wir brauchen eine komplett neu strukturierte und inhaltlich komplett neu aufgestellte Lehrerausbildung, die junge Leute auf das vorbereitet, was sie wirklich in unseren Schulen erwartet. Nur mit gut ausgebildeten Lehrkräften machen wir guten Unterricht und bereiten künftige Generationen auf eine tragfähige Zukunft vor. Und dann finden wir auch Schulleitungen, die die wichtigen Prozesse von Unterrichts- und Schulentwicklung verantworten können und wollen.
Auch die Fluktuation und Überflutung mancher Standorte und mancher Schulformen mit Kollegiumsmitgliedern, die permanent angeleitet, mitgezogen, erstmal alltagstauglich gemacht werden müssen und tägliche Begleitung, Beratung und Unterstützung bei den eigentlich selbstverständlichsten Dingen des Lehrerdaseins benötigen, ist eine Zumutung für eine Schulleitung, die ihre Personalverantwortung ernst nimmt.
Der „Speerwurf“ ist keine Herausforderung für Anfänger*innen… Egal ob 3er, 5er, 7er oder 9er – Schrittrhythmus, begonnen wird mit dem langen Arm zum azyklischen Anlauf. Hier müssen alle Teile von Schule bestmöglich und hochgradig koordiniert zusammenarbeiten! Um den Speer optimal und vor allem weit in der vorgegebenen Zone zu platzieren, ist die Ausrichtung der Hüfte zur Wurfrichtung wichtig. Schnell merkt die Schulleitung, wie schmal doch eigentlich dieser Wurfraum ist. Gestaltungsfreiheit? Ziele setzen, mit einer gewissen Anlaufschnelligkeit koordiniert Ideen verwirklichen, nach eigenem Schrittrhythmus? Das gibt es doch eigentlich kaum noch in der Schulleitungsrolle! Hierin liegt womöglich der größte Knackpunkt. Man mag es kaum glauben…. Wenn man Schulleiterinnen und Schulleiter fragt, warum sie diesen Beruf ergriffen haben, so ist bei vielen doch genau DAS der Antrieb gewesen. Es ging ihnen nicht um den schnöden Mammon und auch nicht um die Gehaltsstufe mehr über dem übrigen Fußvolk im Kollegium. Die meisten von uns wollten Schule besser machen, Schule zu einem guten und wichtigen Ort für die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen machen. Und für viele von uns ist es ein tägliches Trauerspiel, was daraus geworden ist, sieht unser Alltag doch vor mit mangelnden Ressourcen und schlechten Rahmenbedingungen und unter dem Druck von allen Seiten auch noch so tun zu müssen, als hätten wir alles im Griff und würden „beste Bildung“ liefern.
Schulleitungen benötigen einen gesellschaftlichen Unterbau und einen politischen Überbau, denen klar ist, dass wir Geld in unsere Schulen und in die Bildung stecken müssen. Sie brauchen aber vor allem auch von oben und von unten einen wertschätzenden Umgang und das Vertrauen in sie, den Standort entsprechend zukunftsorientiert, verantwortungsvoll und selbstständig zu leiten.
Es muss sich vor allem auch der Umgang mit Schulleitungen ändern. Schulleitungen dürfen nicht mehr stellvertretend in der Öffentlichkeit hingehangen werden, wenn andere Instanzen versagt haben. Eltern, Schulaufsicht, Schulträger und Medien sollten sich gut überlegen, ob wir es uns weiter leisten können, Schulleitungen für gesamtgesellschaftliche Missstände und womöglich elterliches Erziehungsversagen an den Pranger zu stellen. Die Macht der öffentlichen Anfeindung, die Drohung mit rechtlichen Nachwirkungen in Tateinheit mit zusätzlichen Drohgebärden der Schulaufsicht und/oder des Schulträgers sind dauerhaft wirksame Sargnägel für im Amt befindliche Schulleitungen und Bewerbungskiller für vormals Interessierte.
Hier gilt es zügigst ein generelles Umdenken „Hin zu echter Wertschätzung und Fairness gegenüber Schulleitungen“ umzusetzen, um nicht noch mehr Kolleginnen und Kollegen zu verlieren. Die „Speerspitzen“ der wertgeschätzten Schulleitung sind ein vertrauensvoller Schulträger und eine unterstützende Schulaufsicht, die fachlich fundiert zum Wohle der Schulen zusammenarbeiten und ihrer jeweiligen Verantwortung nachkommen. Zudem eine demokratische Schulgemeinde mit einem guten Schulklima und eine interessierte Öffentlichkeit, die sachlich informiert ist und sachlich informiert.
Für den abschließenden „1500m Lauf“, die sog. „längere Mittelstrecke“ braucht die Schulleitung deutlich mehr Ausdauer als in den anderen Disziplinen und muss zudem in den Kurven tempofest sein. Die Durchführung des Rennens um Schul-Preise, Labels, Anerkennung und den guten Ruf erfordert einen langfristigen Plan, um erfolgreich zu sein. Ein zu schneller Start rächt sich unweigerlich. Eine machbare Taktik muss her, die möglichst viele Akteure in der Schule mitnimmt, gesundheitsförderlich ausgelegt ist, die aktuellen Erfordernisse ans Bildungssystem berücksichtigt, die Besonderheiten des Schulstandortes bedient und einen selbst in der Rolle zufrieden sein lässt. Trotz aller Hindernisse, Begrenzungen, Ärgernisse und des Mangels an allem, das Machbare, das Mögliche anpacken lässt. Mit aller Kraft, Disziplin, Ausdauer, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Koordination, Kommunikation, Delegation, Rhythmusfähigkeit, Präzision und womöglich Spaß das Kleine und das Große managen. Das ist Schulleitung heute.
Leider ist die Leichtathletik heute eine wenig beachtete Sportart. Viele Varianten des Sports sind deutlich medienträchtiger, öffentlichkeitswirksamer und damit deutlich besser gefördert und bezahlt.
Es ist längst allerhöchste Zeit, dass die entsprechenden politischen Instanzen das Bildungssystem und somit den Zehnkampf der Schulleitungen, mit den Haltungen und Ressourcen ausstatten, die es braucht, um seiner Relevanz für die Zukunft unserer Gesellschaft nachkommen zu können. Die Aufgaben sind riesig! Dafür braucht es auch und vor allem gute und gesunde Schulleitungen!
Wir alle wollen bestmögliche Bildung für unsere Kinder und gute Schulen!
Gute Schulen brauchen gute Schulleitungen!
Gute Schulleitungen leiten selbstständig und werden alle ausnahmslos und einheitlich gleich gut bezahlt!
Gute Schulleitungen haben Leitungszeit!
Gute Schulleitungen sind in einer eigenen Personalvertretung für Schulleitungsmitglieder organisiert und werden als eigener Berufsstand anerkannt und wertgeschätzt!
Gute Schulleitungen brauchen gute Kommunikation zwischen Schulaufsichten aller Ebenen und Schulträgern sowie mit diesen Partnern von Schule!
Gute Schulleitungen brauchen finanzielle und personelle Ressourcen!
Gute Schulen brauchen gute Schulgebäude und gute Digitalisierung!
Gute Schulen brauchen gute und mehr Lehrkräfte!
Gute Schulleitungen und gute Lehrkräfte brauchen eine gute Ausbildung und permanent gute Fort- und Weiterbildung.
Das Land NRW braucht gute Schulen und eine Bildungsreform!
Das Land NRW hat Experten aller Schulformen für diesen Weg.
Sie haben Fragen, Frau Ministerin? Sie benötigen Beratung?
Wir sind für Sie da!
SLV NRW! Wir bleiben für Sie dran!
Heike Wiggershaus
