Was bleibt und was können wir weitergeben? – Die Essenz aus 40 Jahren Verbandsarbeit
PDF öffnenEhemalige Vorstandsvorsitzenden der SLV NRW fragen sich zum 40-jährigen Jubiläum:
Was können wir an die nachfolgende Generation weitergeben?
Wir ehemaligen Vorsitzenden der SLV NRW nehmen das 40-jährige Jubiläum der Schulleitungsvereinigung NRW zum Anlass zurückzublicken.
Wir fragen uns:
- Was haben wir bewirkt?
- Was von unseren Erfahrungen können wir an die jetzigen und zukünftigen Mitglieder weitergeben?
- Wie können die zukünftigen Vorstände unseres Verbandes von unseren Erfahrungen profitieren?
- Hat sich trotz vieler Widerstände unser Engagement gelohnt?
- Ist es weiterhin motivierend und ermutigend für die Durchsetzung unsere Überzeugungen zu arbeiten?
Unsere großen Ziele sind und waren immer,
- die Schulen im Land autonom gestalten zu können
- Schulleitungen durch Eigenverantwortung in ihrem Führungshandeln zu stärken
- so überzeugend zu sein, dass der Beruf Schulleitung als eigenständiger Beruf anerkannt wird und so eine eigene Abteilung für Schulleitungen im Ministerium eingerichtet wird
- eine eigene Personalvertretung für Schulleitungen zu haben
- entweder die Schulaufsicht abzuschaffen oder sie so zu qualifizieren, dass sie ausschließlich beratend für Schulen tätig ist.
Wie wäre es mit einem Eignungsfeststellungsverfahren für Schulaufsichten, um diese auf eine wertvolle beratende Tätigkeit vorzubereiten?
Diese Ziele bleiben bestehen!
Teilziele, wie z.B. die selbständige Schule wurden zwischenzeitlich erreicht. Es gab Hoffnung! Leider vergeblich. Aus der Selbständigkeit wurde eine Eigenverantwortlichkeit, die zunehmend wieder zurückgenommen wurde.
Was bleibt?
Es ist uns in Zusammenarbeit mit der schulpädagogischen Wissenschaft gelungen, die Definition von Schulleitungen und das Verständnis für Schulleitung zu verändern.
Beharrlichkeit und Wiederholungen in Prozessen waren notwendig, um eine Akzeptanz für den Beruf Schulleitung herzustellen. Positive Auswirkungen sind unserer Ansicht nach spürbar!
An diesem Vorhaben muss auch zukünftig mit Beharrlichkeit und Mut weitergearbeitet werden!
Die verantwortlichen Politiker*innen, die sich die Qualität von Schulen auf ihre Fahnen schreiben, müssen sich mit den Ideen und Zielen der Schulleitungsvereinigung NRW auseinandersetzen.
Das braucht Mut und Beharrlichkeit!
Mit großer Überzeugung nennen wir weitere Themen, die für eine qualitative Weiterentwicklung von Schule und für agiles Schulleitungshandeln unabdingbar sind.
Ein großes Thema ist für die SLV NRW die Forderung nach einer Personalvertretung für Schulleitungen! Erste Schritte zu diesem Ziel könnten Interessenvertretungen für Schulleitungen im MSB und in den Bezirksregierungen sein, solange bis eine entsprechende gesetzliche Verankerung abgeschlossen ist.
Wir fordern die konsequente Weiterentwicklung der Selbständigkeit von Schulen. Wir sind davon überzeugt, dass nur die Schulen, die personell und finanziell unabhängig sind, zukünftig den Anforderungen an Bildung und Erziehung gerecht werden können.
Diese Erkenntnis ist inzwischen in vielen Köpfen in der Gesellschaft angekommen, die politisch Verantwortlichen scheuen sich allerdings, dieses „heiße Eisen“ anzufassen.
Leider, denn so stehen sicher noch einige Jahre die verkrusteten, völlig überholten Strukturen zwischen Schulträgern und den verschiedenen Ebenen der Schulaufsichten sinnvollen Umstrukturierungen im Weg.
Niemand kann erwarten, dass die notwendigen Umwälzungen über Nacht auf den Weg gebracht werden können.
Erwartet werden muss allerdings, dass die innerschulischen Strukturen nicht nur auf den Prüfstand gestellt werden, sondern die bekannten Mängel schnell, im Sinne einer fortschrittlichen Bildungspolitik angegangen werden.
Alle Schulformen brauchen eine angemessene Leitungsstruktur, ausreichend Leitungszeit und eine bedarfsgerechte, differenzierte Personalausstattung.
Das allumfassende Thema, das die Bildungspolitik lähmt, heißt „Unterfinanzierung“!
Alle Akteure im Bildungsbereich, seien es Lehrkräfte, Schulleitungen, Leitungen von Schulämtern, Bildungspolitiker*innen, Eltern, Schüler*innen, ja die gesamte Gesellschaft weiß es und spürt es.
Unser Bildungssystem ist permanent und massiv unterfinanziert.
Das einst sehr erfolgreiche Bildungsland Deutschland ist auf dem Weg in eine Bildungswüste.
Für uns als Schulleitungsvereinigung NRW bedeutet das, auch zukünftig eine qualitativ gute Ausgestaltung des Führungsprofils und der Rolle von Schulleitungen zu fordern!
Wir wollen uns nicht von dem Argument der Nichtfinanzierbarkeit abschrecken lassen!
Mit dem Hinweis auf eine Bildungsverantwortung für zukünftige Generationen fordern wir eine umfassende zukunftsweisende Finanzierung des Bildungssystems!
Wir werden nicht nachlassen, die Forderungen immer wieder laut zu benennen!
Diese kräftezehrende und schwierige Aufgabe ist wesentlich leichter zu schultern, wenn es gelingt, möglichst viele Schulleiterinnen und Schulleiter und weitere Bildungsbeteiligte ins Boot zu holen.
Die Aufgaben der Zukunft sind so umfassend und komplex, dass sie nur in einer gemeinsamen Bildungsverantwortung gelöst werden können. Schulleitungen spielen dabei eine wichtige Rolle!
Was wir noch zu sagen haben:
Der Beruf Schulleitung ist als gemeinsames Projekt aller an Schulen Beteiligten zu verstehen. Schulleitungen müssen an ihre Selbstwirksamkeit glauben.
Die Aufgabe von Schulleitung ist es, in einer wertschätzenden und werteorientierten Atmosphäre gute Bedingungen für die Entwicklung ihrer Schule zu schaffen. Die Rolle der Schulleitung ist dabei oft eine unterstützende, in einigen Fällen auch eine entscheidende.
Schulentwicklungen müssen von der Schulgemeinde und der Schulkonferenz entschieden und getragen werden.
Wer seine Schule mit Kenntnis, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen leitet, ein Team um sich hat, das aus einer Gemeinsamkeit heraus handelt, braucht sich keine Sorgen zu machen.
Im Alltag gibt es für Schulleitungen immer wieder Widrigkeiten durch Behörden und Ämter, Versuche, Schulleitungen unter Druck zu setzen, unbegründeten Anfeindungen etc.
Für derartige Situationen ermöglichen wir unseren Mitgliedern, auf die Beratung und Unterstützung durch die Schulleitungsvereinigung Nordrhein-Westfalen zurückzugreifen.
Die SLV NRW unterstützt ihre Mitglieder in unterschiedlichen schwierigen Situationen, z.B. durch die Begleitung bei einer Einbestellung in Behörden.
Die Schulleitungsvereinigung NRW wird auch zukünftig an die Verantwortlichen in Politik und Bildungsbürokratie appellieren, ihren Auftrag nach Chancengleichheit, der im Grundgesetz verankert ist, endlich umzusetzen.
Schulleiterinnen und Schulleiter brauchen einen gemeinsamen Verband, der sich für eine zukunftsfähige Bildungsverantwortung für unsere Schülerinnen und Schüler einsetzt.
Dies ist unsere Forderung, die sich aus über 40 Jahren Arbeit in der Schulleitungsvereinigung NRW speist.
Zukunftsfähige Bildungsverantwortung für die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen sind es wert, engagiert und motiviert weiterzuarbeiten.
Schulleitungen fällt dabei eine Schlüsselrolle zu!
Werden Sie Mitglied! Bleiben Sie Mitglied!
Wir brauchen Ihre Unterstützung!
Mielke, Rössler, Willert
