40 Jahre SLV NRW

Zurück zu: Artikel

Die SLV-NRW mit ESHA in Shanghai: Sommer 2024

PDF öffnen

2024 International Seminar for School Principals, sponsered by Unesco and the Teachers Seminar of the Western Shanghai University: “Fostering Excellence in Teaching: Building a Professional and Innovative Educator Workforce”

(2024 Internationales Seminar für Schulleiter, gemeinsam gesponsert von der UNESCO und dem Lehrerseminar der Western Shanghai University: „Exzellente Lehrqualität fördern: Aufbau einer professionellen und innovativen Lehrkraft“)


Es waren 4 faszinierende Tage in Shanghai. Ich hatte das Gefühl, sehr wenig als Tourist dort zu sein und habe viele Einblicke (aber gefiltert, ich weiß) in die chinesische „Bildungs- und Schulkultur“ gewonnen. Ich habe mit mehreren chinesischen Schulleitungen und Lehrern aus Shanghai gesprochen. Ich hatte auch sehr herzliche Begegnungen mit Schülern und nicht-Lehrkräfte aus Shanghai. Ich habe einen KLEINEN Einblick – vielleicht einen Hauch eines Gefühls – in eine sehr andere Kultur bekommen, eine Kultur, die auf einem Primat basiert, dass die Bedürfnisse der Mehrheit/Gruppe absoluten Vorrang haben und dass die ganze Person in den Dienst dieser Mehrheit/Gruppe gestellt werden muss. „Das ist meine Pflicht“ ist etwas, das ich dort während der 4 Tage sehr oft gehört habe.

Diese Konferenz hatte als Schwerpunkt die Qualitätsentwicklung der Lehrkräfte, vor allem die Möglichkeiten vor Ort in den Schulen und ausgehend von Schulleitungen. Sie war ganz anders organisiert als alle Konferenzen, die ich bisher besucht habe. Wir hatten alle zugewiesene Plätze an Tischen. Eine Tasse Tee stand immer bereit. Es waren etwa 40 Schulleitungen von nicht-chinesischen Schulen da, aber etwa 100 chinesische Schulleitungen oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schulverwaltungsorganisationen. Es gab viele chinesische Englischstudenten, die uns die ganze Zeit übersetzt und weiterhin geholfen haben. Am ersten Tag standen uns Kopfhörer zur Verfügung. Wir konnten immer eine Simultanübersetzung der chinesischen Vorträge hören und die chinesischen Lehrer hörten unsere Vorträge auf Chinesisch.

Am Nachmittag wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe widmete sich zwei Themen. Unsere Themen waren „Schulbasierte professionelle Kollaboration“ und „Verbesserung der digitalen Kompetenz der Lehrkräfte“. Alle Teilnehmende der Konferenz waren verpflichtet, eine Präsentation zu zeigen. Ich hielt eine Vortrag zum Thema „Verbesserung Digitaler Kompetenzen von Lehrkräften“. Die Vorträge waren 50/50 Chinesisch/Englisch aufgeteilt. Es war manchmal schwierig, die klare Botschaft der Vorträge herauszufiltern, aber einzelne Vorträge waren brillant. Mein Favorit: der Vortrag von Zhang Junlin, einem Schulleiter aus Hangzhou, der Heimat von Alibaba und anderen großen Tech-Firmen, mit dem Titel „Lasst die Weiterentwicklung der KI den Fußstapfen der Liebe (AI) folgen“. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es ein Wortspiel, denn der Laut „AI“ bedeutet auf Chinesisch „Liebe“. Es war ein sehr netter Vortrag über Pädagogik und KI – mit KI im Dienste der Pädagogik und als Werkzeug für bessere Arbeit, Verständnis und Beziehungen zwischen allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft. Was mir auch gut gefallen hat: Die Schule hat einen gemeinsamen Coding-Workshop von Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte als eine Art „Schulfirma“ (in China sehr ungewöhnlich).

Am nächsten Tag besuchten wir Schulen. Jeder europäische Gast bekam einen eigenen „Guide“ (eine Englischlehrkraft), die alle Fragen beantwortete und uns viele Informationen gab.

In der Schule (4 Standorte, 7.400 Schüler und 520 Lehrer, Klassen von 45 bis 50 Schülerinnen und Schüler) sahen wir einen Knabenchor (Schüler im Alter von 6-8 Jahren) (der praktisch perfekt sang), Sport in der Turnhalle (Kampfkunstvorführung plus Seilspringen auf hohem Niveau), traditionelle Kunst und einen Raum voller KI-Roboter, die mit den Schülern Go spielten. Das für China innovative an diese Vorführungen: sie waren aus einem „Pflicht-AG-Band“ hervorgegangen, was uns Schlüsse ziehen lässt über Lerninhalte und –qualitäten an Chinesische Schulen.

Wir besuchten eine Mathematikstunde mit „intelligenten Arbeitsblättern“ und Naturwissenschaftsunterricht in Projektform, basierend auf der Arbeit mit einer Wetterstation. Interessant war die natürliche Qualität der Interaktionen zwischen Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte sowie die weit fortgeschrittene sowie selbstverständliche Anwendung digitaler Medien. Uns ist allerdings mitgeteilt worden, daß die großen Städte im Osten Chinas viel weiter sind als die im Westen Chinas, wo sowohl technische Schwächen als auch Lehrermangel herrschen.

Die ISSP war auch eine hervorragende Gelegenheit, sich mit Schulleitungen aus aller Welt auszutauschen.

Es nahmen Schulleitungen aus Europa (Finnland, den Niederlanden, Italien, Frankreich, England, Schottland, Irland), aber AUCH aus den USA, aus Neuseeland und aus Australien teil. Wir haben in einer kleinen Gruppe so viele interessante Ideen ausgetauscht, dass wir beschlossen haben, einen Buch über Schulleitung weltweit zu schreiben. Wir haben schon wieder gemerkt, dass trotz kultureller und systemischer Unterschiede, wir sehr viele Gemeinsamkeiten haben.

Joan M. Krebs-Schmid